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05.02.2018

„Hier geht es nicht ums Aussehen“

„Hier geht es nicht ums Aussehen“

Extremes Übergewicht gehört weltweit zu den größten Gesundheitsrisiken. Chirurgische Eingriffe wie eine Schlauchmagen- oder Magenbypass-Operation können helfen – doch auch sie wirken nur, wenn die Betroffenen langfristig ihren Lebensstil verändern.

Wer in der U-Bahn 15 Kniebeugen macht, darf einmal umsonst fahren – in Mexiko gibt es bereits Maßnahmen wie diese, um das Massenproblem Übergewicht endlich in den Griff zu bekommen. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) zählt extremes Übergewicht oder Adipositas zu den größten Verursachern chronischer Krankheiten, und zwar weltweit. Herz-Kreislauferkrankungen, Diabetes und sogar Krebs sind einige der schwerwiegenden Folgeerscheinungen.

„Trotzdem ist es in Deutschland immer noch nicht angekommen, dass Adipositas eine Krankheit ist und nicht nur eine schlechte Angewohnheit“, weiß Dr. Angelika Alfes, Leiterin des Zentrums für Metabolische Adipositas-Chirurgie am Klinikum Leverkusen (Adipositaszentrum). „Dabei geht es bei einem Body Mass Index von mehr als 40 längst nicht mehr ums Aussehen, sondern um Gesundheitsrisiken und Lebensqualität – und langfristig sogar oftmals um Leben oder Tod.“

Die etwa 60 Männer und Frauen, die an diesem Abend in den Hörsaal des Klinikums gekommen sind, haben schon fast alles ausprobiert, um die gefährlichen Pfunde loszuwerden. Im Patientenseminar mit dem Titel „Übergewicht/Adipositas – Hilfe durch die Chirurgie“ wollen sie von Dr. Alfes erfahren, ob – und wie genau – eine Adipositas-Operation ihnen beim Abnehmen helfen kann. Wann ist ein chirurgischer Eingriff empfehlenswert, welche verschiedenen Möglichkeiten gibt es und wann zahlt die Krankenkasse? Fragen wie diese werden hier im Detail beantwortet.

Betroffene haben oft mit Vorurteilen zu kämpfen

Dr. Angelika Alfes ist seit zehn Jahren Expertin auf dem Gebiet der Adipositas-Chirurgie und kennt zur Genüge die Vorurteile, mit denen Übergewichtige oft zu kämpfen haben. „Dazu gehört die gängige Meinung, dass Übergewichtige doch einfach nur weniger essen und sich mehr bewegen müssten, also am Ende selbst schuld seien. Aber so einfach ist es eben nicht.“ Die Ursachen für Adipositas sind vielfältig, so können zum Beispiel auch hormonelle und psychische Faktoren eine wichtige Rolle spielen. Konservative Methoden wie die Ernährungsumstellung und mehr Bewegung sind zwar in jedem Falle die wichtigsten Säulen für den Abnehmerfolg. „Aber bei einem Übergewicht von 50 Kilogramm und mehr ist es kaum möglich, eine dauerhafte Gewichtsabnahme alleine zu stemmen“, sagt Dr. Alfes. Laut Statistik sind es mit der konservativen Therapie nur 5-10 % des extremen Übergewichtes, welche die Betroffenen dauerhaft abnehmen. Mithilfe der Chirurgie liegt die Erfolgsrate bei den meisten Patienten immerhin zwischen 50-80 % Übergewichtsabnahme.

Das Adipositaszentrum am Klinikum Leverkusen bietet mit seinen Partnern den Patienten ganzheitliche Hilfe bei der Lebensstiländerung auf dem Weg zur möglichen Operation an. Dies reicht von Ernährungsberatung und Sport über psychologische Betreuung bis hin zu medizinischer Beratung und Versorgung. „Wichtig ist uns zunächst, jeden einzelnen Patienten persönlich kennenzulernen und mit ihm ge-meinsam Ursachen und Therapiemöglichkeiten der Adipositaserkrankung zu besprechen“, sagt Alfes. „Anschließend unterstützen wir ihn dabei, eigenständig und selbstbestimmt die notwendigen Schritte für die erforderliche Lebensstiländerung zu unternehmen. Denn nur so kann eine Operation langfristig erfolgreich sein“ .

Nachsorge ist wichtig

Erst wenn alle konservativen Möglichkeiten ausgeschöpft sind und der Patient diesen Wandel seines Lebensstils nachweisen kann, kommt eine Operation infrage. Das kann zum Beispiel eine Schlauchmagen-, Magenband- oder Magenbypass-Operation sein. „Diese Verfahren können den Betroffenen dauerhaft helfen – vorausgesetzt, sie fallen anschließend nicht in die alten Muster zurück“, so Alfes. „Die gängigen OP-Methoden sorgen zwar alle für ein schnelleres Sättigungsgefühl. Doch wer langfristig abnehmen will, muss dann, wenn er satt ist, auch aufhören zu essen.“

Die Ärztin und ihr Team im Adipositaszentrum Leverkusen legen deshalb großen Wert darauf, im Sinne einer qualifizierten Nachsorge auch nach einer OP noch für ihre Patienten da zu sein. „Eine Adipositas-Operation ist niemals der Abschluss, sondern immer nur ein Teil der Behandlung“, sagt Alfes. „Fest steht: Mehr als 70 Prozent der Patienten gelingt mithilfe der Chirurgie ein Abnehmerfolg, den sie ohne OP nicht erreicht hätten.“ Und das bedeutet für die meisten auch eine erhebliche Verbesserung ihres allgemeinen Gesundheitszustands: Menschen mit Diabetes, Bluthochdruck, Fettleber, Schlafapnoe können mit einer erheblichen Verbesserung ihrer Krankheiten rechnen. So verlassen Diabetiker teilweise bereits ohne weiteren Insulinbedarf nach der Operation die Klinik, weiß Dr. Alfes zu berichten.

Zum Schluss bekommen die Teilnehmer noch ein Vorher-Nachher-Bild von einer ehemaligen Patientin zu sehen. Ihre Hosengröße hat sich mindestens halbiert und – was noch wichtiger ist: „Sie hat gelernt, wieder aus vollem Herzen zu lächeln, ist nach vielen Jahren zurück im Berufsleben und plant mittelfristig an einem Halbmarathon teilzunehmen“, freuen sich die Ärztin und ihr Team.

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Dr. Angelika Alfes (Mitte) leitet das Zentrum für Metabolische Adipositas-Chirurgie am Klinikum Leverkusen. Vom Magazin FOCUS Gesundheit wurde sie im Januar 2018 – zum vierten Mal in Folge – in die Liste der TOP-Mediziner Deutschlands aufgenommen.

Der Informationsabend „Übergewicht/Adipositas – Hilfe durch die Chirurgie“ findet jeden 3. Mittwoch im Monat um 17:00 Uhr im Klinikum Leverkusen statt. Veranstaltungsort ist der Hörsaal im Hauptgebäude. Die Teilnahme ist kostenlos.


Ansprechpartnerin:
Dr. Angelika Alfes
Leiterin Adipositaszentrum
Telefon 0214 13-3317
E-Mail zmac@8a9da971e52541118d1418e2589dfe9eklinikum-lev.de

Das Adipositaszentrum ist Teil der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Thoraxchirurgie. Klinikdirektor ist Prof. Dr. Nico Schäfer.

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