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Neue Impfempfehlungen der STIKO

In Ihren aktuellen Empfehlungen vom 26. August 2013 empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) wesentliche Neuerungen für drei Erkrankungen: a) Rotavirus-Enteritis, b) Hepatitis B und c) saisonale Influenza. Wir haben die

Kernbotschaften für Sie zusammengefasst.

Rotaviren (RV)

RV sind die häufigste Ursache von Gastroenteritiden bei Kindern unter 5 Jahren. In Deutschland werden jährlich etwa 20.000 Kinder aufgrund einer RV-Infektion stationär behandelt, mit teils schwerwiegenden Verläufen.
 
Erstmals wurde nun die Rotavirus-Impfung in den Impfkalender für Kinder aufgenommen. Es handelt sich um eine Schluckimpfung mit einem oralen Lebendimpfstoff, zurzeit sind 2 Impfstoffe verfügbar (Rotarix ® und RotaTeq®).
Der empfohlene Beginn der Impfserie liegt sehr früh in der 6. Lebenswoche, also noch vor den erstmaligen Impfungen gegen TdPP, HiB, Hepatitis B und Pneumokokken (2. Monat).

Zeitpunkt der Impfung und Nebenwirkungen: Je nach verwendetem Impfstoff werden ab dem Alter von 6 Wochen 2 (Rotarix ®) bzw. 3 Dosen (RotaTeq®) in einem Mindestabstand von 4 Wochen verabreicht. Aufgrund eines geringfügig erhöhten
Risiko für Darminvaginationen bei älteren Kindern empfiehlt die STIKO den Beginn der Impfserie unbedingt in den ersten 12 Lebenswochen. Die gesamte Impfserie muss bis zum Alter von 24 bzw. 32 Wochen abgeschlossen sein.

Eine ausführliche Begründung der Impfempfehlung findet sich im Epidemiologischen Bulletin 35/2013.

Hepatitis-B

Die Empfehlungen wurden in folgenden Aspekten geändert:

1. Postexpositionsprophylaxe gegen Hepatitis B (PEP)

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Die Empfehlung zur PEP wurde dementsprechend angepasst und erstmals in einem übersichtlichen Algorithmus dargestellt (Abbildung 1, aus Epid. Bull.34/2013).


 

Bei der PEP wird, wie auch im Falle des besonders hohen individuellen Expositionsrisikos, von einer Schutzdauer von 10 Jahren nach erfolgreicher Grundimmunisierung ausgegangen.

2. Indikationsimpfung

Die bisherigen Risikogruppen für eine Hepatits-B-Infektion wurden neu definiert und in Gruppen vereinfacht
zusammengefasst. Folgende Risikogruppen für eine Hepatitis-B-Infektion werden neuerdings definiert:

  • Personen mit Immundefizienz bzw. -suppression oder vorbestehender Erkrankung (schwerer Verlauf einer HBV-Erkrankung zu erwarten), z. B. HIV-pos., HCV pos., Dialysepatienten
  • erhöhtes nichtberufliches Expositionsrisiko, z. B. Kontakt zu HBsAg-Trägern in Wohngemeinschaft, Sexualverhalten mit hohem Infektionsrisiko, i. v. Drogenkonsumenten, Gefängnisinsassen, u.a.
  • Personen mit einem erhöhten beruflichen Expositionsrisiko, z. B. in med. Einrichtungen (…), Ersthelfer, Polizisten, Gefängnispersonal, Asylbewerberheime, u.a.) 
  • Reiseindikation (individuelle Gefährdungsbeurteilung)

Dauer des Impfschutzes nach erfolgreicher Grundimmunisierung:

  • Für alle Personen, die eine Hepatitis-B-Impfung als Indikationsimpfung erhalten haben, wird aber die serologische Kontrolle des Impferfolgs 4 - 8 Wochen nach der 3. Impfstoffdosis empfohlen (Ziel ist Anti-HBs = 100 IE/l) .
  • Nach erfolgreicher Grundimmunisierung sind weitere Anti-HBs-Bestimmungen und Auffrischimpfungen im Allgemeinen nicht erforderlich. Ausnahmen hiervon stellen Personen mit humoraler Immundefizienz dar, bei denen jährliche Kontrollen des Anti-HBs-Wertes (Auffrischimpfung, wenn Anti-HBs < 100 IE/l) empfohlen werden, sowie Personen mit besonders hohem individuellem Expositionsrisiko, bei denen nach 10 Jahren Anti-HBs bestimmt werden sollte (Auffrischimpfung, wenn Anti- HBs < 100 IE/l).

Saisonale Influenza

Die Empfehlungen wurden in 2 Punkten geändert:

1. Bevorzugung des Lebendimpfstoffes bis einschließlich 6. Lebensjahr

Es existiert ein trivalenter attenuierter Influenza-Lebendimpfstoff (LAIV, Handelsname Fluenz®) sowie mehrere trivalente Influenza-Totimpfstoffe (TIV). Gegenüber den Totimpfstoffen, die injiziert werden müssen, bietet der LAIV den Vorteil der nasalen Applikation (je 0,1 ml in jedes Nasenloch). Dieser Applikationsmodus könnte dazu beitragen, die Akzeptanz bei Kindern und Eltern zu steigern.

Bisher wurden im Kindesalter alle Impfstoffe gleichwertig empfohlen, ohne Differenzierung nach Impfstofftypen. In der neuen Empfehlung zur Indikationsimpfung soll nun bei Kindern im Alter von 2 bis einschließlich 6 Jahren sollte der LAIV bevorzugt angewendet werden, sofern keine Kontraindikation besteht (s. Fachinformation).

Die Indikationsgruppen für die Influenza-Impfung (siehe Tab. 2, Epid. Bull. 34/2013) bleiben unverändert - es handelt sich daher NICHT um eine Empfehlung zur generellen Impfung auch gesunder Kinder!

2. Influenza-Impfung enger Kontaktpersonen auch bei erfolgter Impfung der Risikoperson
Die Influenza-Impfung bietet insbesondere bei älteren oder immungeschwächten Personen keinen 100%igen Schutz vor einer Influenza-Erkrankung. Daher müssen auch betreuende Personen unabhängig vom Impfstatus der betreuten Person gegen Influenza geimpft werden. Hierfür empfiehlt die STIKO, alle Kontaktpersonen zu impfen, die als mögliche Infektionsquelle für von ihnen betreute Risikopersonen fungieren können, ungeachtet des Impfstatus der Risikoperson. Bislang galt die Impfempfehlung für Kontaktpersonen nur bei ungeimpften Risikopersonen. 

LITERATUR (erhältlich unter www.rki.de):
Epidemiologisches Bulletin 34/2013 (neue Impfempfehlungen der STIKO).
Epidemiologisches Bulletin 35/2013 (Rotaviren).
Epidemiologisches Bulletin 36+37/2013 (Wissenschaftliche Begründung für die Änderung der Empfehlung zur Impfung gegen Influenza und Hepatitis B).