Endometriose

Bei einer Endometriose siedelt sich Gewebe, das der Gebärmutterschleimhaut ähnelt, außerhalb der Gebärmutter unter anderem an Eierstöcken, Darm oder Bauchfell an. Es bilden sich gutartige Zysten und Entzündungen, sogenannte Endometrioseherde, die sich ausbreiten. Wie die Gebärmutterschleimhaut unterliegen sie dem monatlichen Zyklus: Das Gewebe des Endometrioseherdes baut sich auf und wird wieder abgestoßen. Deshalb kommt es während des Zyklus häufig zu krampfartigen Schmerzen an den betroffenen Stellen.

Schmerzen und Verwachsungen

Die abgelöste Schleimhaut kann nicht über die Scheide abfließen, sondern bleibt im Körper. In der Folge kommt es mitunter auch zu chronischen Entzündungen, Vernarbungen und Verwachsungen an den Organen in der Bauchhöhle. Endometriose ist außerdem nicht selten verantwortlich für ungewollte Kinderlosigkeit.

Jedes Jahr erkranken etwa 40 000 Frauen

Schätzungen zu Folge erkranken in Deutschland jedes Jahr etwa 40.000 Frauen an Endometriose. Die Erkrankung wirkt sich auf den Hormonhaushalt und das Immunsystem aus, weshalb Endometriose als so genannte systemische Erkrankung eingestuft wird.  Das bedeutet, dass sie verschieden Organsysteme betreffen kann. Nach den Wechseljahren kommt sie allerdings meistens zur Ruhe.

Langer Leidensweg bis zur Diagnosestellung

Weil eine Endometriose von den Patientinnen sehr unterschiedlich erlebt wird und die Symptome sehr unspezifisch sind, wird die Krankheit oft sehr spät diagnostiziert. Bis klar ist, dass eine Endometriose vorliegt, vergehen durchschnittlich sieben Jahre. Oft kommt es zu einem Zufallsbefund im Rahmen einer Kinderwunsch-Untersuchung.

Symptome

Während manche Frauen unter starken Schmerzen leiden, haben andere keine oder nur geringe Beschwerden. Kommt es zu Unterleibsschmerzen, treten diese oft zusammen mit der Regelblutung auf, aber auch während oder nach dem Geschlechtsverkehr. Die Schmerzen können in den Unterbauch, den Rücken und die Beine ausstrahlen.

Häufige Anzeichen sind: 

  • Starke Schmerzen während der Monatsblutung
  • Schmerzen beim Geschlechtsverkehr oder danach
  • Schmerzen oder Blutungen, wenn Blase oder Darm entleert werden
  • Starke oder verlängerte Monatsblutungen
  • Unterbauchschmerzen, die von der Monatsblutung unabhängig sind und sehr heftig sein können 
  • Unerfüllter Kinderwunsch

Therapie

Endometriose ist eine chronische Krankheit und kann nur selten wirklich geheilt werden. Es gibt allerdings wirksame Behandlungsmöglichkeiten. Zur Entwicklung einer Behandlungsstrategie müssen wir das Ausmaß der Beschwerden und das Lebensalter der Patientinnen berücksichtigen. Eine große Rolle spielt dabei die Frage, ob eine Patientin Kinder bekommen möchte.

Operation beseitigt Entzündungsherde

Mit einer Operation lassen sich Endometriose-Herde beseitigen. Bei vielen Patientinnen nehmen die Beschwerden nach einer Operation ab. Auch die Chancen auf eine Schwangerschaft können sich verbessern. Bei einer Operation wird versucht, die Endometrioseherde möglichst komplett von den betroffenen Organen zu entfernen. Der Eingriff erfolgt überwiegend im Rahmen einer Bauchspiegelung (Laparoskopie). Hierfür sind nur kleine Hautschnitte nötig.

Laparoskopie für schonendes Operieren

Die Bauchhöhle und die darin liegenden Organe werden durch ein so genanntes Laparoskop (Kamerasystem) sichtbar gemacht. Dieses ist mit einer Lichtquelle verbunden und an ein hochauflösendes digitales Videokamerasystem angedockt, das die optische Information in Echtzeit auf Monitore überträgt. So ist das Operieren ohne große Bauchschnitte möglich. Endometrioseherde, die tief in das Gewebe eingedrungen sind, werden vorsichtig herausgeschnitten, um Nerven und betroffene Organe zu schonen. Ist die Gebärmutter stark befallen und die Familienplanung der Betroffenen abgeschlossen, kann ihre Entfernung sinnvoll sein.

Rezidive sind häufig

Leider kommt es trotz innovativer Operationstechniken relativ oft zu Rezidiven, also zu neuen Herden und Zysten. Studien zu Folge treten auch nach einer Operation bei jeder zweiten Patientin innerhalb von fünf Jahren neue Endometrioseherde auf. Deshalb schließt sich an einen Eingriff zumeist eine längere Hormonbehandlung an. Bei ausgeprägten Verläufen werden meistens verschiedene Behandlungsmethoden kombiniert.

Hormonpräparate wirken auf den Zyklus ein

Eine Alternative zur Operation ist der Einsatz von Hormonpräparaten. Hormone können zum Beispiel auf den weiblichen Zyklus einwirken und Monatsblutungen abschwächen oder für längere Zeit unterdrücken. Dadurch gehen auch die Endometriose-Herde zurück. Vor- und Nachteile und mögliche Nebenwirkungen müssen aber sorgfältig abgewogen werden.

Östrogenspiegel senken

Zum Einsatz kommen bei einer Hormontherapie zum Beispiel Gestagene (Gelbkörperhormone), die den Spiegel des weiblichen Sexualhormons Östrogen senken. Östrogen gilt als wesentlicher Wachstumsreiz für Endometrioseherde. Es gilt als erwiesen, dass das Hormon mitverantwortlich für die Entstehung einer Endometriose ist. Hormontherapien zielen deshalb darauf ab, die Östrogenwirkung an den betroffenen Organen zu senken und Regelblutungen zu vermeiden. Daher wirken diese Therapien meistens auch verhütend. Sinkt der Östrogenspiegel schrumpfen aber vorhandene Endometrioseherde, und die mit ihnen verbundene Beschwerden nehmen ab.

Schmerzmittel

Gegen die krankheitsbedingten Schmerzen helfen Schmerzmittel, wie Ibuprofen oder Naproxen. Diese Medikamente haben zugleich eine entzündungshemmende Wirkung.

Unterstützende Therapien

Neben klassischen schulmedizinischen Methoden können auch Entspannungstherapien, Physiotherapie und psychologische Unterstützung bei dieser chronischen Erkrankung hilfreich sein. Ebenso kann eine Umstellung der Ernährung eine gewisse Linderung der Beschwerden bringen.    

Experten

Priv.-Doz. Dr. Ines Beyer
Direktorin der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe
Telefon: 0214 13-2216
ines.beyer@klinikum-lev.de
Michael Ulbricht
Michael Ulbricht
Stv. Leitender Oberarzt
Telefon: 0214 13-2216
michael.ulbricht@klinikum-lev.de
Dr. Alexander di Liberto
Dr. Alexander di Liberto
Leitender Oberarzt der Klinik
Telefon: 0214 13-2216
alexander.diliberto@klinikum-lev.de