„Multiple Sklerose soll nicht den Alltag bestimmen“
22.05.2026Multiple Sklerose trifft viele Menschen mitten im Leben – oft mit unsichtbaren Beschwerden wie Erschöpfung und Konzentrations- oder Schlafstörungen. Anlässlich des Welt-MS-Tags am 30. Mai erklärt Dr. Thomas Schulten vom Klinikum Leverkusen, warum eine frühzeitige Diagnose und die schnelle Behandlung wichtig sind.
Mehr als 280.000 Menschen in Deutschland leben mit Multipler Sklerose (MS) – viele von ihnen mitten im Berufs- und Familienleben. Da die chronisch-entzündliche Erkrankung des Gehirns und Rückenmarks mit sehr unterschiedlichen Symptomen einhergehen kann, gilt MS auch als „Krankheit mit den tausend Gesichtern“. Zum Welt-MS-Tag macht Dr. Thomas Schulten, Oberarzt der Klinik für Neurologie am Klinikum Leverkusen, deutlich: Dank moderner Therapien haben Betroffene heute deutlich bessere Perspektiven als noch vor wenigen Jahren.
„MS kann körperliche, aber auch psychische und kognitive Beschwerden verursachen“, erklärt der Fachmann. Typische Symptome seien Sehstörungen, Gefühlsstörungen, Lähmungen oder eine ausgeprägte Erschöpfbarkeit. Besonders häufig trete die Erkrankung bei jüngeren Erwachsenen auf: Etwa zwei Drittel der Patientinnen und Patienten bemerkten erste Symptome zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr.
Unsichtbare Symptome beeinflussen den Alltag
Belastend seien dabei oft Beschwerden, die nach außen kaum sichtbar sind. Dazu zählen Konzentrations- und Gedächtnisstörungen oder die sogenannte Fatigue – eine krankhafte Erschöpfung. „Bis zu zwei Drittel der Patientinnen und Patienten entwickeln kognitive Einschränkungen“, sagt der Experte. Die Informationsverarbeitung verlangsamt sich, Multitasking fällt schwerer, Aufmerksamkeit und Konzentration nehmen ab. „Und das kann erhebliche Auswirkungen auf Alltag und Beruf haben“, so Schulten.
Häufig verstärken Schlafstörungen das komplexe Beschwerdebild der Erkrankung. Rund 60 Prozent der Erkrankten leiden unter Ein- oder Durchschlafstörungen, nicht erholsamem Schlaf oder dem sogenannten „Restless-Legs-Syndrom“, einem unangenehmen Kribbeln und Bewegungsdrang in den Beinen. Auch Atemstörungen im Schlaf oder nächtlicher Harndrang verschlechtern die Erholung zusätzlich. „Dadurch verstärken sich Erschöpfung und Konzentrationsprobleme oft weiter“, weiß der Neurologe.
Frühe Therapie verbessert die Prognose
Gerade mit Blick auf das komplexe Beschwerdebild habe sich die Therapie der Erkrankung in den vergangenen Jahren stark weiterentwickelt. Heute stehen deutlich mehr wirksame Medikamente zur Verfügung, mit denen sich die Erkrankung wesentlich besser behandeln lässt. Laut Dr. Thomas Schulten sei auch entscheidend, möglichst früh mit der Behandlung zu beginnen, denn verspätete Therapien gingen häufig mit einer schlechteren Prognose einher. „Durch moderne Therapien lassen sich Einschränkungen und Behinderungen häufig verhindern und das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen“, betont der Oberarzt. Dabei komme es nicht nur auf eine frühe Diagnose, sondern auch auf die passende Behandlung an.
In der Multiple-Sklerose-Ambulanz am Klinikum Leverkusen, die Teil der hiesigen Klinik für Neurologie und Geriatrie ist, bieten Dr. Thomas Schulten und sein Team eine Reihe von modernen Therapien an. „Unser Ziel ist stets, MS-Betroffenen ein weitgehend normales Leben zu ermöglichen“, sagt der Mediziner. Dazu würden Beruf, Familie und soziale Teilhabe gehören. „Die Krankheit soll eben nicht den Alltag bestimmen“, unterstreicht er.
Warnsignale ernst nehmen
Neben der medikamentösen Therapie spielt auch der Lebensstil eine wichtige Rolle. Besonders Rauchen gilt als problematisch. „Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass Tabakkonsum eine Verschlimmerung der Krankheit bewirkt und die Häufigkeit der Schübe erhöhen kann.“ Zudem treten Angststörungen, Depressionen und kognitive Einschränkungen bei rauchenden MS-Betroffenen häufiger auf. „Auch Übergewicht kann den Verlauf negativ beeinflussen“, ergänzt der Experte. Regelmäßige Bewegung und eine ausgewogene Ernährung können sich positiv auf den Krankheitsverlauf auswirken. Für die Kontrolle der Erkrankung bleibe jedoch eine wirksame medikamentöse Therapie entscheidend. Allen Menschen, die neurologische Beschwerden wahrnehmen, rät Dr. Thomas Schulten zu einer schnellen Abklärung durch eine Fachärztin oder einen Facharzt: „Sehstörungen, Doppelbilder, Lähmungen, Sensibilitätsstörungen oder eine ungewöhnliche Erschöpfbarkeit sollten ernstgenommen und zeitnah untersucht werden.“
Zum Welt-MS-Tag am 30. Mai richtet der erfahrene Neurologe eine klare Botschaft an Betroffene und Angehörige: Eine MS-Diagnose müsse heute nicht bedeuten, das eigene Leben von der Erkrankung bestimmen zu lassen. Dank moderner Therapien könnten viele Menschen mit MS ihren Alltag weiterhin aktiv gestalten. „Niemand muss mit dieser Erkrankung alleine sein“, stellt Schulten klar. Neben medizinischer Unterstützung gebe es mit der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) wichtige Beratungs- und Hilfsangebote. „Ich möchte Menschen mit MS dazu ermutigen, sich gut zu informieren, moderne Therapien zu nutzen und ihr Leben zu leben.“
Treffen Sie das MS-Team und weitere Fachleute im Klinikum Leverkusen!
Anlässlich des internationalen Aktionstags lädt das Klinikum Leverkusen gemeinsam mit der DMSG am Mittwoch, 27. Mai, ab 16.30 Uhr zu einer offenen Infoveranstaltung ein. Unter dem Motto „Jetzt erst recht!“ informieren die Fachleute des Großkrankenhauses im Hörsaal unter anderem über aktuelle Entwicklungen in Diagnostik und Therapie. Außerdem besteht die Möglichkeit, mit den Medizinerinnen und Medizinern sowie Vertreterinnen und Vertretern der DMSG persönlich ins Gespräch zu kommen. Die Teilnahme ist kostenlos und ohne Anmeldung möglich.
Mittwoch, 27.05., 16.30 Uhr – 18 Uhr
Hörsaal Klinikum Leverkusen (Gebäude 1.A, Untergeschoss)
Am Gesundheitspark 11
51375 Leverkusen
