„Gleichstellung muss auch in der Gesundheitsversorgung herrschen“
07.03.2026Die Chefgynäkologin am Klinikum Leverkusen bemängelt die strukturelle Benachteiligung von Frauen in der Medizin – und engagiert sich mit ihrer Klinik für eine stärkere Sichtbarkeit von Frauengesundheit.
Obwohl Frauen die Hälfte der Bevölkerung ausmachen, bestehen in Forschung und Versorgung weiterhin deutliche Lücken. Bundesforschungsministerin Dorothee Bär bezeichnete Deutschland mit Blick auf Frauengesundheit erst vor wenigen Wochen als „Entwicklungsland“. Priv.-Doz. Dr. Ines Beyer sieht das ähnlich. Die Gynäkologin begleitet das Thema seit Beginn ihrer Karriere. Entsprechend leidenschaftlich setzt sie sich in ihrer Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Klinikum Leverkusen dafür ein, dass Patientinnen eine adäquate und sichere Behandlung erhalten.
Endometriose – exemplarisch für strukturelle Defizite
„Beschwerden von Frauen sind zu lange verharmlost worden“, sagt die Klinik-Direktorin. So wurde der männliche Standard, an dem sich – historisch gewachsen – viele medizinische Leitlinien, Studien und Medikamentenzulassungen orientieren, zu spät als Problem wahrgenommen und benannt. Die Konsequenz: „Dosierungen sind nicht immer optimal auf die weibliche Physiologie abgestimmt und Symptome von Frauen werden häufiger falsch eingeordnet“, so die Expertin. Das betreffe Herz-Kreislauf-Erkrankungen ebenso wie Schmerztherapien oder Autoimmunerkrankungen.
Insbesondere die Endometriose gilt als Sinnbild für die Versäumnisse in der Frauengesundheit. „Sie ist keine ‚starke Regelblutung, die man eben aushalten muss‘“, betont Ines Beyer. „Es handelt sich dabei um eine chronische Erkrankung, die Schmerzen, Entzündungen, Verwachsungen und sogar Unfruchtbarkeit verursachen kann.“ Die WHO schätzt, dass weltweit etwa zehn Prozent der Frauen im gebärfähigen Alter betroffen sind – und dennoch dauert die Diagnosestellung im Durchschnitt oft viele Jahre. Genau darin zeige sich laut der Klinikerin die strukturelle Schieflage: „Wenn so viele Frauen betroffen sind und trotzdem so lange auf Klarheit warten, dann ist das nicht nur ein medizinisches, sondern auch ein gesellschaftliches Problem.“
Hoher Stellenwert von Frauengesundheit am Klinikum Leverkusen
Im Klinikum Leverkusen erlebt die Chefgynäkologin diese Realität täglich: Patientinnen, die lange Zeit nicht ernstgenommen wurden, wenden sich vertrauensvoll an ihre Klinik. „Hier hören wir genau hin und nehmen Beschwerden ernst – von Anfang an“, so Ines Beyer, die mit ihrem Team Frauen in vielen verschiedenen Lebensphasen begleitet – von der Schwangerschaft bis zur Behandlung komplexer gynäkologischer Erkrankungen. Das Vorgehen bei Endometriose-Betroffenen ist dabei ein gutes Beispiel für eine moderne, patientinnenzentrierte Versorgung: Erkrankte Frauen werden gezielt informiert, von spezialisierten Ansprechpersonen betreut und bei Bedarf mit moderner, schonender Diagnostik und Therapie behandelt. „Hierzu zählen laparoskopische Eingriffe sowie sorgfältig abgestimmte begleitende Schmerz-, Hormon- und unterstützende Therapien“, erläutert die Klinik-Direktorin, „jeweils passgenau auf die Bedürfnisse der Patientinnen zugeschnitten.“
Mit ihrem Engagement will Ines Beyer nicht nur für das Wohl der eigenen Patientinnen sorgen, sondern auch über die Klinik hinaus ein klares Zeichen setzen. Gerade rund um den Weltfrauentag am 8. März wolle sie diese Botschaft bewusst in die Öffentlichkeit tragen: „Gleichstellung muss auch in der Gesundheitsversorgung herrschen.“ Zwar gebe es positive Entwicklungen – immer mehr Frauen sprächen offen über ihre Beschwerden, medizinische Teams hörten genauer hin, und auch Kliniken übernähmen zunehmend Verantwortung, ihre Versorgung gezielt frauenzentriert weiterzuentwickeln – doch von echter Gleichstellung könne noch keine Rede sein. „Im Klinikum Leverkusen wollen wir diesen Weg konsequent weitergehen“, unterstreicht die Klinik-Chefin und betont: „Nicht erst im Kreißsaal oder im OP – sondern schon beim Zuhören im ersten Gespräch.“
