Onkologisches Zentrum am Klinikum Leverkusen: „Krebs in vielen Fällen keine akute Lebensbedrohung mehr“
04.02.2026
Eine Krebsdiagnose erschüttert das Leben von einem Moment auf den anderen. Angst, Unsicherheit und der Verlust von Gewissheiten prägen zunächst den Alltag vieler Betroffener. Doch wer heutzutage an Krebs erkrankt, hat mehr Gründe zur Zuversicht als jemals zuvor. Denn die Medizin hat sich in den vergangenen Jahren insbesondere auf dem Gebiet der Onkologie rasant weiterentwickelt: Dank moderner Diagnostik, innovativer Therapien und neuer Medikamente lässt sich Krebs heute immer häufiger erfolgreich behandeln.
Einrichtungen wie das zertifizierte Onkologische Zentrum am Klinikum Leverkusen sind ein wichtiger Erfolgsfaktor. Anlässlich des Weltkrebstages am 4. Februar hat es eine Botschaft in den Mittelpunkt gerückt, die vielen Patientinnen und Patienten Zuversicht gibt: „Krebs ist heute in vielen Fällen keine akut lebensbedrohliche Diagnose mehr“, wie Zentrumsleiterin Dr. Andrea Heider sagt. Stattdessen entwickle sich Krebs zunehmend zu einer Erkrankung, mit der Betroffene dank moderner Therapien noch lange und gut leben können.
Medizinischer Fortschritt, der ankommt
Moderne Krebstherapie bedeutet heute vor allem eines: passgenaue Behandlung. Therapien folgen nicht mehr einem starren Schema, sondern orientieren sich am individuellen Krankheitsbild, an biologischen Eigenschaften des Tumors – also etwa daran, wie aggressiv er wächst oder welche genetischen Veränderungen bestimmte Medikamente besonders wirksam machen – und an den persönlichen Lebensumständen der Betroffenen.
„Unser Ziel ist es, durch Bündelung der Expertise aller Fachexperten am Zentrum für jeden Patienten die bestmögliche Therapie zu erarbeiten, um Erkrankungen langfristig zu kontrollieren und dabei die Lebensqualität so gut wie möglich zu erhalten“, erklärt Dr. Kirsten Ridder, Koordinatorin des Onkologischen Zentrums. „Denn medizinischer Fortschritt entfaltet seinen Wert erst dann, wenn er beim einzelnen Menschen ankommt.“ Dafür setzen die Expertinnen und Experten am Klinikum Leverkusen auf moderne, zielgerichtete Therapien und eine zugewandte und enge Begleitung ihrer Patientinnen und Patienten.
Spezialisierte Krebsmedizin unter einem Dach
Im Onkologischen Zentrum am Klinikum Leverkusen sind fünf von der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) zertifizierte Organkrebszentren gebündelt. Sie decken ein breites Spektrum onkologischer Erkrankungen ab und ermöglichen eine fachübergreifende Behandlung auf aktuellem wissenschaftlichem Niveau. Patientinnen und Patienten, die unter Erkrankungen des Blutes, des Knochenmarks und des lymphatischen Systems, Brustkrebs, gynäkologischen und urologischen Tumoren sowie Krebserkrankungen des Verdauungstraktes leiden, finden hier eine zentrale Anlaufstelle, die medizinische Expertise und zahlreiche unterstützende Angebote vereint.
Im Viszeralonkologischen Zentrum unter der Leitung von Prof. Dr. Nico Schäfer werden Tumorerkrankungen des Verdauungstraktes behandelt, darunter Darm-, Enddarm- und Bauchspeicheldrüsenkrebs. Moderne chirurgische Verfahren spielen hier eine zentrale Rolle. In den meisten Fällen erfolgen Eingriffe minimalinvasiv und zunehmend roboter-assistiert mit dem OP-System „da Vinci“. Ergänzend kommen moderne medikamentöse Therapien zum Einsatz.
Das Urologische Krebszentrum unter der Leitung von Priv.-Doz. Dr. Daniel Porres erfüllt seit jeher die höchsten Standards in der Behandlung sämtlicher urologischer Tumorerkrankungen – von Prostata, Niere und Harnblase bis hin zu Hoden- und Peniskrebs. Mit der jüngsten Erweiterung des DKG-Zertifizierungskatalogs auf Hoden- und Penistumoren ist das Zentrum nun auch offiziell in diesen Bereichen zertifiziert und trägt damit das Qualitätssiegel für alle urologischen Krebsdisziplinen. Im Zentrum kommt das vollständige moderne Behandlungsspektrum zum Einsatz: von hochpräziser Diagnostik über operative Therapien mit Schwerpunkt auf minimalinvasive, roboter-assistierte Verfahren bis hin zu individualisierten medikamentösen und strahlentherapeutischen Konzepten. Die aktive Beteiligung an klinischen Studien eröffnet Betroffenen zudem Zugang zu innovativen und zukunftsweisenden Therapieansätzen.
Im Gynäkologischen Krebszentrum unter der Leitung von Priv.-Doz. Dr. Ines Beyer werden Patientinnen mit Krebserkrankungen an Organen wie den Eierstöcken, der Gebärmutter oder seltenen Tumoren an den äußeren Genitalien, umfassend betreut. Schwerpunkte liegen auf personalisierten Therapiekonzepten und einer möglichst frühen Diagnostik, da früh erkannte Tumoren häufig schonender behandelt werden können. Auch hier kommen bei Operationsbedarf minimalinvasive roboterassistierte Verfahren zum Einsatz. Die zertifizierte Dysplasiesprechstunde ergänzt das Angebot und trägt dazu bei, Zellveränderungen frühzeitig zu erkennen.
Das Brustkrebszentrum unter der Koordination von Dr. Monika Bertram begleitet Patientinnen von der Diagnosestellung über die Therapie bis in die Nachsorge. Neben modernsten medikamentösen und operativen Verfahren stehen die persönliche Begleitung und Beratung im Mittelpunkt. Spezielle „Breast Care Nurses“, Angebote zur Brustrekonstruktion sowie eine strukturierte Nachsorge unterstützen Patientinnen dabei, nach der Therapie wieder Sicherheit und Lebensqualität zu gewinnen.
Großer Erfolg: Chronischer Verlauf immer häufiger
Im Zentrum für hämatologische Neoplasien unter der Leitung von Dr. Andrea Heider werden Menschen mit Leukämien, Lymphomen, Multiplem Myelom sowie weiteren Erkrankungen des Blut- und Lymphsystems behandelt. Insbesondere bei diesen Formen einer Krebserkrankung zeigen sich deutlich die Fortschritte der modernen Krebsmedizin: Neue medikamentöse Therapien, Immuntherapien und zielgerichtete Wirkstoffe haben die Prognose vieler dieser Erkrankungen in den vergangenen Jahren deutlich verbessert. „Zahlreiche hämatologische Krebserkrankungen lassen sich heute über lange Zeit gut kontrollieren“, erklärt Dr. Heider. „Für immer mehr Betroffene entwickeln sie sich zu Erkrankungen, die über viele Jahre gut beherrschbar sind und eine hohe Lebensqualität sowie einen aktiven Alltag ermöglichen.“
Ergänzend schaffen verschiedene Selbsthilfegruppen im Onkologischen Zentrum Raum für Austausch, Information und gegenseitige Unterstützung. Seit dem vergangenen Jahr gibt es auch für Patientinnen und Patienten mit Multiplem Myelom eine eigene Gruppe – wie auch alle anderen Gruppen ein wichtiges Element für das Leben langfristig erkrankter Menschen.
Ambulant behandelt – im Alltag begleitet
Parallel zu den medizinischen Fortschritten gewinnt die ambulante Krebstherapie zunehmend an Bedeutung. Viele Chemotherapien sowie Antikörper- und Immuntherapien können heute ambulant durchgeführt werden. Um diesem wachsenden Bedarf gerecht zu werden, ist bereits ein Ausbau der Onkologischen Ambulanz am Klinikum in Planung. „Digitale Prozesse werden uns in Zukunft dabei helfen, Abläufe zu optimieren und Wartezeiten für Patientinnen und Patienten spürbar zu verkürzen“, kündigt Dr. Andrea Heider an. So soll der Aufenthalt in der Onkologischen Ambulanz noch angenehmer gestaltet werden. Bereits heute tragen unterstützende Maßnahmen wie moderne Kopfkühlsysteme dazu bei, belastende Nebenwirkungen wie etwa therapiebedingten Haarverlust zu reduzieren und damit den Behandlungsalltag zu erleichtern.
Qualifizierte Psychoonkologinnen und Psychoonkologen begleiten Betroffene und ihre Angehörigen während der gesamten Zeit – von der Feststellung der Diagnose bis zur Nachsorge. Ergänzend unterstützt der Sozialdienst bei sozialrechtlichen und organisatorischen Fragen, während die Selbsthilfeangebote Raum für Austausch und gegenseitige Unterstützung bieten.
„Moderne Krebstherapie bedeutet für uns mehr als medizinische Behandlung“, fasst Dr. Andrea Heider zusammen. „Es ist uns wichtig, Menschen auf ihrem Weg mit der Erkrankung fachlich und menschlich zu begleiten, ihnen Perspektiven zu eröffnen – und ihnen, wann immer erforderlich, zu zeigen, dass ein gutes Leben mit Krebs heute in vielen Fällen möglich ist.“