Schlaganfall-Experte am Klinikum Leverkusen: „Ein ungesunder Lebensstil ist Gift fürs Gehirn“

24.04.2026
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Professor Dr. Helmar C. Lehmann, Direktor der Klinik für Neurologie und Geriatrie am Klinikum Leverkusen.

In der Stroke Unit des Großkrankenhauses werden jedes Jahr mehr als 1.000 Menschen mit Schlaganfall behandelt. Für Professor Helmar C. Lehmann ist klar: Viele dieser Notfälle wären vermeidbar – doch zentrale Risikofaktoren werden noch immer unterschätzt.


Rund 270.000 Menschen erleiden in Deutschland jedes Jahr einen Schlaganfall. Damit ist das lebensgefährliche Phänomen eine Volkskrankheit. Besonders alarmierend: Zwar trifft es häufiger ältere Menschen, doch etwa jeder vierte Patient ist jünger als 65 Jahre. „Wir sehen zunehmend auch Menschen mitten im Berufsleben“, sagt Professor Helmar C. Lehmann, Direktor der Klinik für Neurologie und Geriatrie am Klinikum Leverkusen. „Das ist vielen nicht bewusst!“

Gefährliches Zellsterben
durch Sauerstoff-Mangel

Medizinisch wird bei einem Schlaganfall zwischen zwei Formen unterschieden: In etwa 80 Prozent der Fälle handelt es sich um eine Durchblutungsstörung im Gehirn, einen sogenannten ischämischen Schlaganfall. „Dabei wird ein Gefäß durch ein Blutgerinnsel verstopft“, erklärt Lehmann. Die Folge: Das betroffene Hirngewebe erhält keinen Sauerstoff mehr, Nervenzellen sterben innerhalb kürzester Zeit ab. In rund 20 Prozent der Fälle liegt hingegen eine Hirnblutung vor – ein Gefäß platzt, Blut tritt ins Gewebe aus und schädigt es.

„Beide Formen führen letztlich zum gleichen Problem: Hirnfunktionen fallen plötzlich aus“, sagt der Neurologe. Typische Symptome sind halbseitige Lähmungen, Sprachstörungen oder Sehstörungen. Genau hier kommt es auf schnelle Reaktion an. „Wir sagen: `Time is brain – Zeit ist Gehirn´“, so der Experte. „Pro Minute sterben etwa zwei Millionen Nervenzellen, wenn die Durchblutung ausbleibt.“

Schnelle und kompetente
Hilfe in Akutsituationen

Bei der frühen Erkennung eines Schlaganfalls hilft die sogenannte FAST-Regel: Hängt ein Mundwinkel (`Face´)? Kann die Person beide Arme heben (`Arm´)? Ist die Sprache verwaschen (`Speech´)? „Wenn eines dieser Zeichen auftritt, sollte man keine Zeit (`Time´) verlieren und sofort den Notruf wählen“, betont Professor Helmar C. Lehmann. „Lieber einmal zu viel als einmal zu spät.“

In spezialisierten Stroke Units – also Akutstationen für Schlaganfälle wie der am Klinikum Leverkusen – entscheidet sich dann oft innerhalb kurzer Zeit, wie schwerwiegend die entstandenen Gehirnschäden sind. Mithilfe von bildgebenden Verfahren wie der Computertomografie wird zunächst geklärt, ob eine Durchblutungsstörung oder eine Blutung vorliegt. Bei einem Gefäßverschluss kann ein Medikament das Gerinnsel auflösen – allerdings nur innerhalb eines engen Zeitfensters. „Optimal sind die ersten viereinhalb Stunden“, weiß der erfahrene Spezialist. In bestimmten Fällen kann das Gerinnsel auch mechanisch mit einem Katheter entfernt werden.

Trotz moderner Medizin bleiben die Folgen eines Schlaganfalls oft gravierend. Etwa ein Drittel der Betroffenen erholt sich gut, ein Drittel lebt mit dauerhaften Einschränkungen, und ein Drittel verstirbt innerhalb der nächsten Jahre. „Das zeigt, wie ernst diese Erkrankung ist“, sagt Lehmann. Häufige Langzeitfolgen sind Lähmungen, Sprach- oder Gedächtnisstörungen – aber auch Depressionen. Gleichzeitig macht der Arzt Mut: „Durch eine nahtlose Weiterbehandlung, etwa in unserer neurologischen Frührehabilitation, können viele Patientinnen und Patienten wieder ein selbstständiges Leben führen.“

Persönlicher Lebensstil
kann entscheidend sein

Ein entscheidender Punkt liegt jedoch vor dem Notfall: die Prävention. Denn viele zugrundeliegende Ursachen entwickeln sich über Jahre hinweg unbemerkt. „Der wichtigste Risikofaktor ist Bluthochdruck“, sagt Lehmann. Daneben spielen Rauchen, Diabetes, erhöhte Blutfette, Übergewicht und Bewegungsmangel eine große Rolle. Und auch Herzrhythmusstörungen wie Vorhofflimmern können gefährlich werden.

Der Fachmann betont: „Viele Menschen unterschätzen, wie stark sie ihr eigenes Risiko beeinflussen können.“ Sein Appell ist deutlich: Ein gesunder Lebensstil mit regelmäßiger Bewegung, möglichst wenig Alkohol und dem Verzicht auf Nikotin schützt nicht nur das Herz, sondern auch die Blutversorgung im Kopf. „Ein ungesunder Lebensstil hingegen ist Gift fürs Gehirn.“

Stroke Unit am Klinikum
seit 2003 zertifiziert

Im Klinikum Leverkusen versorgt das Schlaganfall-Fachteam um Stroke-Unit-Leiter Dr. Thomas Baumann jährlich mehr als 1.000 Patientinnen und Patienten. Sie alle können auf eine hochspezialisierte und schnelle Akutversorgung zählen. Das bestätigt die kürzlich erfolgte Rezertifizierung der Stroke Unit durch die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft und die Deutsche Schlaganfall-Hilfe. Voraussetzung für diese Auszeichnung ist die Einhaltung strenger Qualitätsstandards – dazu gehört vor allem die enge Zusammenarbeit mit anderen Fachabteilungen des Hauses, etwa der Notaufnahme, der Kardiologie und der Gefäßchirurgie. Darüber hinaus ist das Team in das ebenfalls zertifizierte „Neurovaskuläre Netzwerk der Region Köln“ eingebunden und kooperiert eng mit einer Reihe von Partnerkliniken.

„Wir sind stolz auf unsere Stärke als regionaler Standort für Schlaganfallversorgung“, unterstreicht Professor Helmar C. Lehmann. „Davon profitieren die Patientinnen und Patienten in Leverkusen und der Region.“ Zugleich wirbt der Mediziner mit Nachdruck für die Prävention vermeidbarer Schlaganfälle. „Sollten wir aber gebraucht werden, sind wir mit voller Expertise da.“

 


Treffen Sie das Neurologie-Team
und weitere Fachleute in Wiesdorf!

Bei einem Info-Event am kommenden Montag, 27. April, klären Expertinnen und Experten des Klinikums Leverkusen öffentlich über Schlaganfall und Herz-Kreislauf-Erkrankungen auf. Im Rahmen der bundesweiten Kampagne „Herzenssache Lebenszeit“ geben sie auf dem Rathaus-Vorplatz in Wiesdorf Auskunft über Prävention, Früherkennung und Behandlungsmöglichkeiten in den Kliniken am Gesundheitspark. Die alljährliche Aktion wird erneut begleitet von einem signalroten Doppeldeckerbus der Firma Boehringer, der als aufmerksamkeitsstarker Blickfang der Kampagne dient.

Interessierte Bürgerinnen und Bürger können von 11 bis 15 Uhr ganz unkompliziert mit Spezialistinnen und Spezialisten der Kliniken für Neurologie, Kardiologie, Diabetologie und Gefäßchirurgie ins Gespräch kommen. Auch die Chefärzte Prof. Dr. Helmar C. Lehmann, Prof. Dr. Henning Adamek (Diabetologie) und Prof. Dr. Thomas Lübke (Gefäßchirurgie) werden dabei sein. Neben dem persönlichen Dialog bieten die Fachleute wieder Testungen an, anhand derer das individuelle Risiko für Schlaganfall und Herz-Kreislauf-Erkrankungen ermittelt werden kann. Dazu gehören zum Beispiel Blutdruck- und Blutzuckerwert-Messungen. Außerdem geben die Teams diverse Informationsmaterialien zur zusätzlichen Aufklärung über Risikofaktoren mit.