Rekonstruktive Urologie

Angeborene Fehlbildungen, Erkrankungen, Verletzungen oder Operationen im Urogenitaltrakt können zu Fehlfunktionen der äußeren und inneren Genitalorgane führen. Die rekonstruktive Chirurgie ermöglicht eine Wiederherstellung der Funktion und der ursprünglichen Form des betroffenen Organs. Dabei werden auch plastisch-ästhetische Korrekturen berücksichtigt. Im Vordergrund steht der Erhalt der Funktionalität. Verschiedene Materialien bis hin zu körpereigener Mundschleimhaut kommen bei der Rekonstruktion zum Einsatz.

Modernste Operationsverfahren im Bereich der minimalinvasiven roboterassistierten Chirurgie ermöglichen schonende Eingriffe mit besten Ergebnissen. Mit dem da Vinci®-Operationssystem der neuesten Generation können wir ohne große Schnitte höchst präzise operieren. Weitere Informationen zum da Vinci®-System finden Sie hier.

Typische Krankheitsbilder und Fehlbildungen

Harnleiter

Harnleiterenge

Eine Harnleiterverengung kann angeboren oder als Folge von kleinsten Vernarbungen, Steinen oder Tumoren auftreten. Der Urin fließt dann nicht mehr ungehindert aus der Niere in die Blase.

Dies kann schlimmstenfalls zu einem kompletten Nierenversagen führen. Je nach Länge und Lage der Harnleiterenge kommen unterschiedliche Behandlungsmethoden zum Einsatz.

Nierenbeckenabgangsenge / Nierenbeckenplastik

Eine angeborene oder erworbene Nierenbeckenabgangsenge ist eine Verengung im sogenannten pyeloureteralen Übergang, also zwischen Nierenbecken und oberen Harnleiter. Oft wird sie durch ein Nierengefäß verursacht, das den Harnleiter kreuzt. Durch dieses Hindernis staut sich der Urin in der Niere und das Nierenbecken weitet sich aus. In schweren Fällen führt dies zu einer Schädigung bis hin zum Versagen der Nierenfunktion. Die Nierenbeckenabgangsenge können wir mit einer Nierenbeckenplastik korrigieren. Dabei durchtrennen wir den Harnleiter und entfernen die Engstelle. Das fehlende Stück wird rekonstruiert und mit dem Nierenbecken neu vernäht. Bei größeren Kindern und Erwachsenen führen wir die Operation minimalinvasiv mit dem da Vinci®-Operationssystem durch.

Kurzstreckige Enge im mittleren Harnleiter

Ist die Harnleiterenge im mittleren Harnleiter nur 1 bis 2 cm lang, kann sie durch eine sogenannte End-zu-End-Anastomose behoben werden. Dabei wird die Engstelle ausgeschnitten und die verbleibenden Enden des Harnleiters zusammengenäht. Die Operation führen wir wann immer möglich minimalinvasiv roboterassistiert durch.

Sehr langstreckige Harnleiterengen

Harnleiterengen, die sich über eine lange Strecke im Harnleiter ziehen, sind meist die Folge anderer medizinischer Behandlungen oder komplexer Operationen. Aber auch entzündliche Erkrankungen wie Morbus Ormond, bei der sich vermehrt Bindegewebe im hinteren Bauchraum ansammelt, können die Harnleiterenge über eine lange Strecke auslösen. In solchen Fällen ist ein kompletter Ersatz des Harnleiters durch ein Ileuminterponat erforderlich. Der Harnleiter wird dabei vom Nierenbecken bis zur Harnblase entfernt und durch ein Stück Dünndarm (Ileum) ersetzt. Die Operation führen wir minimalinvasiv roboterassistiert oder offenchirurgisch durch.

Engen im unteren Harnleiterdrittel

Engen, die den unteren Teil des Harnleiters betreffen und tief im Becken liegen, erfordern eine Harnleiterneuimplantation. Dabei wird der obere gesunde Harnleiterabschnitt durch eine zusätzliche Öffnung in die Blase eingepflanzt.  Dank der roboterassistierten Unterstützung des da Vinci®-Systems kann dieser komplizierte Eingriff sicher und präzise durchgeführt werden.

Die Psoas-Hitch-Plastik wenden wir an, wenn das gesunde Ende des Harnleiters nur unter Spannung mit der Harnblase zusammengenäht werden kann, weil es zu weit entfernt ist. Durch das Annähen der Harnblase an die Sehne des Lenden-Darmbeinmuskels (Psoas) wird die Spannung aufgehoben. Reicht dies bei noch längerstreckigen unteren Harnleiterengstellen nicht aus, kann durch das Herausschneiden eines sogenannten Boari-Lappens aus der Harnblase eine spannungsfreie Naht des gesunden Harnleiteranteils an die Harnblase erreicht werden.

Harnröhre

Harnröhrenverengungen können durch Vernarbungen entstehen. Bereits mikroskopisch kleine Verletzungen oder Entzündungen führen zu Vernarbungen, die eine Verengung auslösen. Wie diese Verengung behandelt wird, hängt vor allem von der Länge und Lage der Harnröhrenverengung ab. Sie können kurz oder langstreckig sein und in den verschiedenen Abschnitten der Harnröhre (penil, bulbär, präsphinktär) auftreten.

Wiederkehrende Harnröhrenverengung (Rezidiv)

In der Regel wird eine Enge beim ersten Mal durch eine Schlitzung mit speziellen Instrumenten oder auch mit Laserstrahlen durch die Harnröhre therapiert. Im Fall eines erneuten Auftretens der Harnröhrenenge (Rezidiv) endet eine wiederholte Behandlung zu fast 100 Prozent erneut in einem Rezidiv. Daher führen wir meist eine offene Harnröhrenrekonstruktion durch. Die Engstelle der Harnröhre wird herausgeschnitten. In den seltensten Fällen können die gesunden Harnröhrenenden wieder direkt aneinandergenäht werden. Zur Überbrückung der defekten Stelle kann die eigene Mundschleimhaut der Patienten verwendet werden.

Blasenhalssklerose

Die Blasenhalssklerose ist eine narbige Enge im Bereich des Blasenhalses, die in Folge von Operationen im Bereich der Prostata auftreten kann. Auch hier wird in der Regel zunächst versucht, direkt über die Harnröhre die narbige Blasenhalsenge durch Einschneiden zu behandeln und damit den Harnabfluss wieder zu ermöglichen. Im Falle eines Rezidivs kommt die Blasenhalsrekonstruktion in Betracht. Wir führen sie minimalinvasiv roboterassistiert durch. Mittels Schlüssellochtechnik eröffnen wir den Blasenhals im Sinne einer sogenannten Y-V-Plastik und erweitern die Engstelle.

Schließmuskelprothese bei starker Inkontinenz

Bei starker Inkontinenz kann das Einsetzen eines künstlichen Schließmuskels (Sphinkterprothese) das Leiden lindern. Dieser wird offenchirurgisch operiert. Hierbei wird über einen kleinen Schnitt entweder im Dammbereich oder im Übergang zwischen Hodensack und Penis eine Manschette um die Harnröhre platziert, welche mit Flüssigkeit gefüllt ist und damit die Harnröhre verschließt. Eine Pumpe wird zusätzlich bei Männern im Hodensack platziert. Wenn die Harnblase voll ist, können die Betroffenen über eine Pumpe die Manschette für ein paar Minuten entleeren und damit die Harnröhre öffnen, damit der Urin aus der Blase fließen kann. Die Flüssigkeit wird dabei kurzzeitig in einen Ballon (Reservoir) gepumpt und fließt nach kurzer Zeit selbstständig wieder in die Manschette, was zu einem erneuten Verschluss der Harnröhre und idealerweise zur Kontinenz führt.

Schwellkörperprothese bei Erektionsstörungen

Patienten mit Erektionsstörungen können eine künstliche Schwellkörperprothese bzw. hydraulische Schwellköperprothese in Betracht ziehen. Sie kommt dann zum Einsatz, wenn weder Tabletten noch eine Schwellkörperinjektionstherapie angeschlagen haben. Der offenchirurgische Eingriff erfolgt durch einen kleinen Schnitt im Übergang zwischen Hodensack und Penis. Das System der Schwellkörperprothese besteht aus einem Ballon/Reservoir, einer Pumpe und zwei Zylindern. Die Zylinder werden in die Schwellkörper implantiert und die Pumpe in den Hodensack. Das Reservoir kommt im Bauch hinter dem Schambein zum Liegen. Durch Betätigen der Pumpe im Hodensack wird Flüssigkeit aus dem Reservoir in die Schwellkörperzylinder gepumpt, sodass es zu einer künstlichen Erektion kommt. Anschließend müssen die Schwellköperzylinder durch Ausdrücken wieder abgepumpt werden. Dadurch gelangt die Flüssigkeit wieder in das Reservoir.

Unsere Experten

Priv.-Doz. Dr. Daniel Porres
Priv.-Doz. Dr. Daniel Porres
Direktor der Klinik Urologie
Telefon: 0214 13-2389
urologie@klinikum-lev.de
Dr. Tobias Kowalke
Dr. Tobias Kowalke
Leitender Oberarzt
Telefon: 0214 13-2389
tobias.kowalke@klinikum-lev.de