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Botox, Bulkamid®, Neuromodulation und Co.

Minimalinvasive Therapie der Harninkontinenz im Beckenbodenzentrum Leverkusen

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Im Rahmen der 10. Weltkontinenzwoche fand ein Patientenseminar des zertifizierten Beckenbodenzentrums statt. Oberärztin Dr. Verena Prior referierte über die minimalinvasive Behandlung der Harninkontinenz mit Bulkamid®-Unterspritzung der Urethra, Botoxinjektion sowie über die Neuromodulation durch Implementierung eines Blasenschrittmachers.


Bulkamid® ist ein Hydrogel aus 2,5% Polyacrylamid und 97,5% Wasser, das biokompatibel und ortsbeständig ist. Es dient der Aufpolsterung und Abdichtung der Urethra mit etwa drei bis vier Depots. „Die Bulkamid®-Depots werden bei Anstieg des Blasendrucks nach unten sowie zusammen gedrückt. Die Kontraktion des Blasenmuskels bei der Miktion bewegt die Depots wieder nach oben“, erklärte Dr. Prior die Wirkweise. Die Bulkamid®-Depots können ambulant eingesetzt werden, Komplikationen sind selten.

Chemische Denervierung des Blasenmuskels
Botulinumtoxin (Botox®) ist ein Nervengift, das den Botenstoff in den Nervenenden blockiert. „Die fehlende Freisetzung des Botenstoffs Acetylcholin führt zu einer chemischen Denervierung des Blasenmuskels“, erläuterte die Oberärztin der Klinik für Urologie im Patientenseminar. Die schlaffe Lähmung des Blasenmuskels vergrößert das Blasenvolumen, reduziert Miktionsfrequenz und Drangsymptomatik und verringert schlussendlich die Inkontinenzepisoden. Nebenwirkungen wie eine passagere Katheterisierung der Blasen können auftreten. Die Botox®-Injektion erfolgt ambulant unter Lokalanästhesie oder Vollnarkose und wirkt zirka sechs bis neun Monate.

Neuromodulation mithilfe eines Blasenschrittmachers
Die Neuromodulation mithilfe des Blasenschrittmachers InterStim® ist bei überaktiver Blase mit oder ohne Inkontinenz sowie Versagen der konservativen Therapie indiziert. Außerdem gibt es weitere Indikationen wie Stuhlinkontinenz, funktionelle Verstopfung, chronischer Beckenschmerz und Darmfunktionsstörungen.

„Während eines drei- bis viertägigen stationären Aufenthalts werden die Elektroden in Narkose eingesetzt (siehe Abbildung) Danach erfolgt eine drei- bis vierwöchige Teststimulation mit dem äußeren Schrittmacher Schließlich steht ein weiterer drei- bis viertägiger stationärer Krankenhausaufenthalt an, um die inneren Schrittmacher einzusetzen. Einmal im Jahr werden die Einstellungen und der Batterieladezustand im Rahmen der Nachsorge überprüft“, so Dr. Prior. Insgesamt ist der Blasenschrittmacher sicher die aufwändigste Behandlungsform unter den minimalinvasiven Therapien der Harninkontinenz.